Nicht nur das Internet oder das Mobilfunkgerät sind Ursachen für die zunehmende soziale Isolierung, die unser Leben aus der Öffentlichkeit weit hinein in das Private verlagern. Die heutige Gesellschaft verlangt von uns, flexibel zu sein. So studieren und arbeiten wir weit entfernt von unseren Familien. Die steigenden Arbeitszeiten täuschen über fehlende soziale Kontakte hinweg.  Die Kommunikation hat sich vom kleinen Schnack an der Ecke in eine ellenlange Whatsapp- Nachricht verwandelt. Der technische Fortschritt hat, wie alle anderen Errungenschaften, seine zweite Seite, mit der wir in unserer Zeit nun gerade lernen, in einem für uns passenden Maß umzugehen. Und nicht für jeden ist das Alleinsein ein Ausdruck von ungewollter Einsamkeit.

Eine Gesellschaft von Einzelgängern?

Macht uns nun die Ellenbogengesellschaft zu einsamen Opfern, die gescheiterte Beziehung zu unfreiwilligen Alleinerziehenden oder unser gewachsenes Selbstbewusstsein als Frau zur starrsinnigen Single- Emanze? All dies ließe vermuten, wir hatten die Kraft verloren, eigene Entscheidungen aus einem positiven Standpunkt heraus zu treffen. Wenn jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird, haben sich nachweislich viele Paare dafür entschieden, den zukünftigen Teil des Lebens nicht mehr miteinander zu verbringen. Und bis wir uns wieder aufgerappelt haben, um aus der Scheidung als Schadensbegrenzung eine neue Chance zu machen und neue Pläne zu entwerfen, sind wir eben eine/r von den 16,4 Millionen Deutschen, die in einen Singlehaushalt leben oder eine/r der 2,7 Millionen Alleinerziehenden. Mit einem Seitwärtsschritt in die sozialen Netzwerke halten wir den – zumindest virtuellen – Kontakt zur Außenwelt. In dieser Zeit des Alleinlebens finden einige von uns zu sich selbst und treffen eigenverantwortlich die Entscheidung für Ihre Zukunft. Andere wiederum finden den Weg aus der unfreiwillig angetretenen Einsamkeit nicht heraus. Und je älter wir werden, desto höher steigt das Risiko, den Herbst unseres Lebens in einer tatsächlich negativen Art und Weise zu vereinsamen.

Einsamkeit im Alter

Die Kinder haben längst eigene Familien gegründet und leben in weit entfernten Gegenden. Wir verlieren Lebenspartner oder Freunde durch Streits, Umzüge oder Todesfälle. Zudem ist aus den zwickenden Rückenschmerzen längst eine etwas langsamere Gangart geworden oder eine Krankheit schränkt unsere Mobilität drastisch ein.
Durch diese Veränderungen im Leben verlieren wir im Alltag lieb gewonnene Gewohnheiten, wichtige Bezugspersonen und somit oft den emotionalen Halt im Leben.
Laut einer Studie von Statista fühlen sich in Deutschland knapp 30% manchmal oder immer einsam. Eine weitere Studie zeigt auf 25% der Deutschen befürchten, im Alter zu vereinsamen und 15% erwarten, dass sich ihre Wohnsituation verschlechtert.

Fakten über die Vereinsamung

In einem Artikel der Bundesregierung wird aufgeführt, dass rund 44% der Frauen ab ihrem 65. Lebensjahr allein leben (Männer 18%) Nach dem 85. Lebensjahr steigt die Zahl der allein lebenden Frauen auf 74%. Unsere Regierung verweist hier auf die gegenseitige Hilfe, Brückenpersonen und soziale Einrichtungen. Und tatsächlich – hier kommt es nun auf jeden Einzelnen von uns an, denn das Zwischenmenschliche, das Gegenseitig-Helfen und über den Tellerrand schauen kann auch der beste Staat nicht per Gesetz anordnen.

Room and Care wirkt der Vereinsamung entgegen

Mit Room and Care möchten wir einen Beitrag leisten, der steigenden Vereinsamung in unserer modernen, digitalisierten und anonymen Gesellschaft entgegenzuwirken. Room and Care bringt Menschen verschiedener Generationen in Wohnpartnerschaften zusammen.

So kann beispielsweise die alleinerziehende Mutter, die gerne wieder arbeiten möchte, über Room and Care einen Mitbewohner finden, der sie als Dankeschön für das mietfreie Wohnen bei der Kinderbetreuung unterstützt. Genauso aber kann ein 70 jähriger alleinlebender Rentner, einen Mitbewohner aufnehmen, der ihn mit Einkäufen und Hilfe im Haushalt unterstützt oder einfach da ist. Auch die eigenen Kinder empfinden es häufig als enorme Entlastung, ihren 70 jährigen Vater nicht alleine in einer großen Wohnung zu wissen, wo niemand bemerkt, wenn etwas passiert.

Das Konzept von Room and Care basiert auf dem Gedanken, dass sich Gastfamilie und Mitbewohner gegenseitig helfen und jede Seite durch das Zusammenleben profitiert. Alles grundsätzlich unentgeltlich und freiwillig.  Helfen macht glücklich. Das hat die Glücksforschung schon lange erkannt und auch wissenschaftlich nachgewiesen. So erfährt beispielsweise der 70 jährige alleinlebende Rentner, Dankbarkeit und Anerkennung für die Überlassung des mietfreien Zimmers. Denn insbesondere für junge Menschen in Ausbildung oder Studium wird es zunehmend schwieriger eine bezahlbare Unterkunft zu finden (Link zu Wohnraumnot). Außerdem ist erwiesen: der Kontakt mit jungen Menschen hält auch alte Menschen jung. Und ganz unbemerkt verschwindet die Stille in den eigenen vier Wänden.

Haben auch Sie Erfahrungen mit der eigenen Einsamkeit gemacht oder helfen Sie älteren Familienmitgliedern oder Nachbarn? Dann freuen wir uns, wenn Sie uns Ihre Erfahrungen mitteilen! Sie können uns dazu einfach per Kontaktformular eine Nachricht zukommen lassen.