Vom Globetrotter zum Streber

Ich mache gerade mein Abitur per Fernstudium nach, weil ich anschließend Medizin studieren möchte. Irgendwie habe ich jetzt doch gemerkt, dass Schule wichtig ist und gehe sehr motiviert an die Sache ran. Meine Eltern sind ganz erstaunt darüber, weil mir die Schule früher egal war. Meine Eltern wohnen sehr ländlich in Aßlar und ich bin mit 18 Jahren ausgezogen, habe gejobbt, bin durch die Welt gereist und habe mein Leben genossen. Diese Zeit war wichtig für mich, um herauszufinden, was ich im Leben will. Da ich das jetzt weiß, will ich meine Ziele schnell erreichen. Irgendwie hat mich jetzt der Ehrgeiz gepackt.  

 

Die Wohnungssuche

Nach Aßlar möchte ich nicht mehr zurückziehen. Viele Freunde von mir wohnen in Frankfurt und ich mag die Stadt, weil sie so viele Möglichkeiten bietet. Und wenn es geht, will ich auch in Frankfurt studieren. Als ich auf der Suche nach einer günstigen WG war, bin ich im Internet auf die Anzeige von Michaela und Klaus gestoßen, die ein Zimmer kostenfrei gegen Kinderbetreuung angeboten haben. Das fand ich ungewöhnlich, passte aber irgendwie zu mir, also haben wir uns getroffen. Die Wohnung liegt nicht so zentral wie ich es mir gewünscht hätte, aber in 35 Minuten bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch in der Stadt und das ist schon ok. Dafür wohne ich umsonst und mag meine Gastfamilie. Und ich lerne ja sowieso Zuhause und muss nicht jeden Tag in die Stadt. Die Tochter Klara (4 Jahre) habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist so ein richtiges Mädchen und liebt es, sich schön anzuziehen und sich die Haare zu frisieren.

 

Meine Aufgaben – mehr Spaß als Arbeit

Michaela, die Mama von Klara, arbeitet als Stewardess auf Langstreckenflügen und ist ein oder zweimal die Woche auch nachts nicht zu Hause. Ihr Mann Klaus ist als Unternehmensberater noch mehr unterwegs. An den zwei Tagen, an denen Michaela arbeitet, bringe ich Klara in den Kindergarten, hole sie abends ab, spiele mit ihr bis sie gegen 19.30 Uhr ins Bett geht und bin nachts einfach da. Letztlich ist das ja keine richtige Arbeit. Es macht ja Spaß. Und nachts schläft Klara ja sowieso. Ich merke aber immer wieder wie wichtig meine Unterstützung für meine Gasteltern ist. Sie fragen mich gerade in letzter Zeit oft, ob ich denn weiterhin in Frankfurt studieren und bei ihnen wohnen möchte. Jetzt mache ich aber erstmal mein Abitur. Und wenn ich in Frankfurt einen Studienplatz bekomme, gibt es erstmal auch keinen Grund für mich, auszuziehen. Wichtig ist natürlich, dass die Zeiten, an denen meine Gastfamilie meine Unterstützung braucht mit den Unizeiten zusammenpassen. Aber das wird sich alles zeigen.